ETFs schlagen aktive Fonds: Warren Buffett machte es vor
Passive Indexfonds orientieren sich an Indizes, die einzelne Länder, Regionen oder einen weltweiten Unternehmensmix spiegeln. Fachleute erklären, wie diese Anlagen funktionieren.
Wer Geld investieren möchte, bekommt schnell den Rat: „Kauf dir einen ETF!“ Häufig werden Anlagen empfohlen, die sich am Weltindex MSCI World orientieren. Daneben gibt es den DAX, den Euro Stoxx 50 und weitere Indizes. Doch wie kommt man vom Index zum ETF? Fachleute klären auf, was Anlegerinnen und Anleger wissen müssen.
Börsenindizes
Ein Börsenindex spiegelt die Aktienentwicklung von mehreren Unternehmen wider, die zu einem Markt oder einem Marktsegment gehören. Der Weltindex MSCI World ist Ende der 60er Jahre von dem Finanzdienstleister Morgan Stanley Capital International (MSCI) aus New York entworfen worden. Dafür sortierte MSCI Länder, Börsen und Unternehmen nach gemeinsamen Kriterien und baute daraus den Index. Heute sind im MSCI World 23 Aktienmärkte von entwickelten Ländern und rund 1.300 Unternehmen eingeschlossen, etwa 72 Prozent davon sind US-Unternehmen, so eine aktuelle Statistik von MSCI.
Der für Deutschland wichtige Index ist der DAX. Er bildet die 40 größten und liquidesten börsennotierten Unternehmen Deutschlands ab, die an der Frankfurter Börse gelistet sind, darunter Siemens, SAP und Allianz. Der Index zeigt, wie sich die in ihm enthaltenen Unternehmen entwickeln. Der DAX wächst übrigens trotz negativer Wirtschaftsdaten. Er lag im Sommer 2025 bei knapp 24.000 Punkten und liegt zurzeit bei rund 25.095 Punkten. Weitere wichtige Indizes sind der FTSE 100 (gesprochen: Footsie) für Großbritannien, S&P 500 (gesprochen: S and P) für die USA und der Euro Stoxx 50 für große Unternehmen aus der Eurozone.
Indexfonds
Ein Indexfonds ist zunächst eine Anlagestrategie. Er zeichnet die Entwicklung eines Börsenindex genau nach. Indexfonds gewichten Aktien und Anleihen wie im Index. In Deutschland stehen sie in der Regel nicht zum freien Verkauf und werden eher von großen Investoren genutzt.
Exchange Traded Funds (ETFs)
ETFs sind Wertpapierfonds, die an der Börse gehandelt werden. Passiv verwaltete ETFs bilden den Index entweder durch den Kauf der entsprechenden Wertpapiere nach, oder sie bilden ihn synthetisch ab. Das bedeutet, dass die Fondsanbieter nicht alle Aktien des Index halten, sondern sie vereinbaren mit einer Bank, die Rendite des Index zu erhalten, während die Bank im Tausch eine Zahlung von der Fondsgesellschaft bekommt. „Synthetische Indexfonds sind steuereffizienter und haben deshalb eine etwas höhere Rendite“, sagt Ludwig de Oliveira-Gatti, Vorstandsmitglied im FPSB Deutschland, einem Zertifizierungsverband für Finanzplaner mit hohen Qualitätsstandards. Manche Anleger scheuten das Risiko und griffen lieber zu physisch replizierenden Indexfonds. „Ich halte dieses Risiko aber für vernachlässigbar“, so de Oliveira-Gatti.
Es gibt auch aktive ETFs. „Bei diesen orientiert sich der Verwalter lediglich an einem Index, versucht aber, ihn zu übertreffen, indem er teilweise vom Index abweicht“, sagt Dominic Egger, Sprecher der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Die Managementform „aktiv“ oder „passiv“ allein erlaube keine Aussage zur Wertentwicklung der ETFs. Darüber entscheide nicht zuletzt der Markt. „Wer lieber der Entwicklung eines Index als der Strategie eines Verwalters folgt, findet in passiven ETFs eine langfristige Anlagemöglichkeit“, sagt Egger.
ETFs kaufen
Um einen ETF zu kaufen, benötigen Anleger ein Aktiendepot. Anbieter von ETFs, die Indizes abbilden, sind zum Beispiel die beiden US-Unternehmen Vanguard und iShares oder Amundi aus Frankreich. Stiftung Warentest listet in einer aktuellen Analyse 110 ETFs aus der Gruppe Aktien Welt auf, die sie als „1. Wahl“ bezeichnet. 49 davon legen zusätzlich Wert auf Nachhaltigkeit. Die Rendite von ETFs mit Betonung auf Nachhaltigkeit liegt über zehn Jahre betrachtet rund ein Prozent unter der von ETFs ohne diesen Fokus.
„Wenn der Anleger sich trotzdem bewusst für sie entscheidet, ist es in Ordnung“, sagt Klaus Porwoll, geschäftsführender Gesellschafter von Pecuniars Berlin und Honorarberater. Rund 30 Prozent der Anleger wünschten sich bei ihm zum Beispiel weniger Rüstung im Portfolio. „Das kann langfristig sogar zu etwa zwei Prozent weniger Rendite führen und muss zur Anlagestrategie passen“, sagt er.
Vorteile von ETFs
De Oliveira-Gatti nennt das Beispiel vom bekannten Börseninvestor Warren Buffett. Dieser ging 2007 eine Wette mit einem New Yorker Investmentberater ein. Die Frage: Kann ein Experte eine Gruppe von Hedgefonds auswählen, die bei einer Laufzeit von zehn Jahren einen simplen, breit diversifizierten Indexfonds mit geringen Kosten schlagen? Buffett gewann. „Die Wette zeigte, dass die allermeisten klassischen aktiven Fonds mittel- und langfristig einem Indexfonds unterlegen sind“, sagt de Oliveira-Gatti, „das liegt vor allem an den hohen Kosten der klassischen aktiven Fonds.“ Passive ETFs haben häufig Kosten zwischen 0,1 bis 0,5 Prozent pro Jahr, während klassische Fonds in der Regel 1,5 bis 2,5 Prozent Verwaltungskosten verursachen. „Außerdem sind Indexfonds sehr breit diversifiziert“, sagt de Oliveira-Gatti.
Das Spektrum der Indizes
MSCI hat Indexvarianten entwickelt, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen. „Der MSCI World ESG berücksichtigt Unternehmen mit besseren Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsstandards. MSCI World SRI wählt Unternehmen nach strengeren Nachhaltigkeitskriterien aus und schließt bestimmte Branchen wie Waffen, Tabak oder fossile Energien weitgehend aus“, sagt Porwoll. Der MSCI World Climate Paris Aligned konzentriere sich auf Unternehmen, die besser auf die Klimaziele des Pariser Abkommens ausgerichtet sind. Der MSCI ACWI (All Country World Index) ergänzt die Industrieländer um Schwellenländer und deckt damit einen größeren Teil der Weltwirtschaft ab. Der Markt bietet die entsprechenden ETFs an.
Unternehmensfaktoren
Wer verstärkt auf kleine Unternehmen setzen will, kann einen Small-Cap-ETF beimischen. Der Zusatz Quality vereint Unternehmen mit hoher Kapitalrendite. ETFs mit Zusatz Momentum investieren stärker in Unternehmen, deren Kurse in der jüngeren Vergangenheit gut gelaufen sind.
Anlagestrategien
„Mach dir nicht so viele Gedanken über das einzelne Produkt – mach dir Gedanken über eine Strategie, wie die Anlagen in dein Leben passen“, sagt de Oliveira-Gatti. Finanzplaner:innen könnten helfen, die eigenen Ziele zu klären und die Strategie umzusetzen. Sind die Anlagen getätigt, empfehlen die Fachleute, diese zehn oder zwanzig Jahre zu halten. „Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen seit Jahrzehnten, dass langfristiger Anlageerfolg vor allem von der Vermögensstruktur und dem Anlegerverhalten abhängt – und deutlich weniger davon, welches einzelne Produkt ausgewählt wird oder ob man versucht, den richtigen Einstiegszeitpunkt zu finden“, sagt Porwoll.
Dieser Artikel wurde im Mai auf fr.de veröffentlicht.










